Der Duft von frisch gekochtem Essen ist großartig – Restgerüche, Fettfilm und Feuchtigkeit im ganzen Haus sind es nicht. In modernen, luftdichten Gebäuden entscheidet die richtige System- und Zuluftplanung über Leistung, Komfort und vor allem Sicherheit Ihrer Dunstabzugsanlage. Dieser umfassende Experten-Guide liefert belastbare Regeln, Rechenbeispiele und Praxisdetails für die Planung von Abluft- und Umluftsystemen, Kochfeldabzügen, Kanälen, Filtern, Schallschutz und die sichere Integration mit Feuerstätten.
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Teil 1: Die Grundsatzentscheidung – Abluft oder Umluft?
Die erste und wichtigste Entscheidung betrifft das System. Beide haben klare Vor- und Nachteile.
Abluftsystem (Luft wird nach außen geführt)
- Vorteile: Führt Gerüche, Fett und vor allem Feuchtigkeit zuverlässig ab. Dies ist die physikalisch effektivste Methode und reduziert das Schimmelrisiko.
- Nachteile: Erfordert einen Mauerdurchbruch und eine saubere Kanalführung. Führt im Winter zu Wärmeverlusten und erzeugt ein Unterdruck-Problem (geplante Zuluft ist Pflicht).
Umluftsystem (Luft wird gefiltert und in den Raum zurückgeführt)
- Vorteile: Einfache Montage ohne Kernbohrung, keine Wärmeabfuhr, ideal für Passivhäuser und bei komplexen Bausituationen.
- Nachteile: Feuchtigkeit bleibt im Haus und muss durch aktives Lüften abgeführt werden. Aktivkohlefilter sind Verbrauchsmaterial und verursachen Folgekosten.

Teil 2: Das Unterdruck-Problem & die Zuluft-Lösung (nur bei Abluft)
Ein Abluftsystem bewegt nur so viel Luft, wie auch nachströmen kann. In dichten Gebäuden bricht der Luftstrom ohne geplante Zuluft (Make-Up-Air) ein, die Haube wird laut und die Leistung sinkt. Schlimmer noch: Es können lebensgefährliche Situationen entstehen.
Gefahr bei Kamin & Co. (raumluftabhängige Feuerstätten)
Ein starker Unterdruck kann giftige Abgase (inkl. Kohlenmonoxid) aus einem Kamin, Kachelofen oder einer Gastherme zurück in den Wohnraum saugen. Hier besteht Lebensgefahr! Die Kombination muss vom Schornsteinfeger abgenommen werden.
Lösungen für eine sichere Zuluft
- Automatischer Zuluft-Mauerkasten: Die beste Lösung. Ein Lufteinlass in der Wand öffnet sich motorisch nur, wenn der Abzug läuft.
- Fensterkontaktschalter (Reedkontakt): Eine simple und sichere Lösung, die den Betrieb der Haube nur bei geöffnetem Fenster erlaubt.
- Druckwächter: Ein Sensor überwacht den Raumdruck und schaltet die Haube ab, bevor ein gefährlicher Unterdruck entsteht.
Teil 3: Haubentypen, Leistung & Kanäle
Moderne Haubentypen im Überblick
- Kochfeldabzug (Downdraft): Saugt Dunst direkt am Entstehungsort ab. Sehr effektiv, minimalistische Optik, ideal für Kochinseln.
- Insel-/Deckenlifthauben: Elegante Lösungen für freistehende Kochinseln.
- Wandhauben (oft als Kopffreihaube): Nutzen die Wand als Leitfläche und bieten eine sehr gute Erfassungseffizienz.
Leistung richtig dimensionieren
Die Leistung (Volumenstrom) wird in m³/h angegeben. Eine gängige Faustformel lautet: Raumvolumen in m³ × 10 = empfohlene Leistung in m³/h auf Normalstufe. Bei offenen Wohnküchen oder Gasherden sollte man mehr Leistung einplanen. Ein guter Abluftkanal ist dabei entscheidend: So groß und kurz wie möglich, mit maximal zwei 90°-Bögen und glattwandigen Rohren (Standard Ø 150 mm).
Teil 4: Komfort, Wartung & Sicherheit
Schall & Komfort
In offenen Küchen sollte die Lautstärke auf Normalstufe unter 60 dB(A) liegen. Leise Anlagen nutzen effiziente EC-Radialgebläse, große Kanalquerschnitte und schallgedämmte Leitungen.
Filter & Wartung
- Fettfilter (Metall): Müssen je nach Nutzung alle 2–4 Wochen im Geschirrspüler gereinigt werden. Saubere Filter sind leise und brandsicher.
- Geruchsfilter (nur bei Umluft): Standard-Aktivkohlefilter müssen alle 3–12 Monate getauscht werden. Regenerierbare Varianten halten länger.

Integration mit Lüftungsanlagen (KWL/WRG)
Ein Abluftsystem darf niemals direkt an eine zentrale Wohnraumlüftung angeschlossen werden. Es benötigt immer einen separaten Kanal nach außen. Umlufthauben sind in Häusern mit KWL oft die energetisch sinnvollere Wahl, die Feuchtigkeit muss dann aber über die zentrale Lüftung abgeführt werden.
Fazit
Die Wahl des richtigen Dunstabzugs ist eine technische Systementscheidung. Abluft gewinnt physikalisch, da es die Feuchtigkeit aus dem Haus entfernt, verlangt aber eine sorgfältig geplante Zuluft, gute Kanäle und einen sicheren Außenabschluss. Umluft ist baulich und energetisch oft attraktiver, braucht aber eine disziplinierte Filterpflege und ein separates Konzept zum Feuchtemanagement. Wer die Leistung realistisch dimensioniert, Kanäle sauber auslegt und Sicherheitsaspekte (insbesondere bei Feuerstätten) berücksichtigt, bekommt eine leise, effiziente und sichere Küchenlüftung.
FAQ – Häufige Fragen zur Küchenlüftung
Wie berechne ich die passende Haubenleistung?
Raumvolumen (L × B × H) in m³ ermitteln und mit 10 multiplizieren – das ergibt die empfohlene m³/h auf Normalstufe.
Welche Kanalgröße ist zu empfehlen?
Bei Abluft Ø 150 mm mit kurzer, glatter Führung und maximal zwei 90°-Bögen.
Brauche ich bei Abluft eine Zuluftlösung?
Ja, in dichten Gebäuden ist Make-Up-Air Pflicht – z. B. motorischer Mauerkasten, Fensterkontakt oder Druckwächter.
Ist Umluft in Häusern mit KWL sinnvoll?
Oft ja. Die KWL führt Feuchte ab; Gerüche werden über Aktivkohle gefiltert (Filterpflege beachten).
Wie laut ist „leise“?
In offenen Küchen sollte die Haube auf Normalstufe unter 60 dB(A) bleiben.
