Einbauschrank nach Maß planen: Der ultimative Experten-Guide für perfekten Stauraum

Ein maßgefertigter Einbauschrank nutzt Nischen millimetergenau, beruhigt den Raum und steigert die Wohnqualität. Damit das Ergebnis jahrzehntelang funktioniert, braucht es mehr als schöne Fronten: exaktes Aufmaß, richtige Toleranzen, belastbare Innenmaße, passende Beschläge, kontrollierte Belüftung und saubere Elektrik. Dieser Experten-Guide führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Planungsprozess – von der Idee bis zur finalen Abnahme.

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Ein moderner, deckenhoher Einbauschrank nach Maß sorgt für perfekte Ordnung im Schlafzimmer.

Teil 1: Die Vorbereitung – Bedarf, Aufmaß & Ergonomie

Bedarf & Inventur (Was soll in den Schrank?)

Die Planung beginnt mit einer harten, ehrlichen Inventur Ihrer Garderobe, nicht mit vagen Schätzungen. Notieren Sie den Bedarf in laufenden Metern (lfm) für Kleiderstangen und die Anzahl der Fächer und Schubladen.

  • Hängen lang (Mäntel/Kleider): ca. 0,6–1,2 lfm Stange pro Person.
  • Hängen kurz (Hemden/Blusen): Planen Sie eine Doppelhängung (zwei Stangen übereinander).
  • Legen (Pullover/Jeans): Stapelbreite 45–60 cm.
  • Spezial-Inventar: Zählen Sie Schuhe, Taschen, Krawatten und planen Sie Platz für Staubsauger oder Bügelbrett.

Aufmaß & Toleranzen (Die Königsdisziplin)

Wände sind nie perfekt gerade. Messen Sie Breite und Höhe daher immer an mindestens drei Punkten. Das kleinste Maß ist Ihre Planungsgrundlage. Planen Sie immer Dehn- und Montagefugen ein (seitlich 10–25 mm, oben 10–20 mm), die später mit passgenauen Blenden verdeckt werden.

Tiefe & Ergonomie (Maße, die funktionieren)

Wichtige ergonomische Maße für die Planung der Innenausstattung eines Einbauschranks.
  • Standard-Korpustiefe: 600 mm außen (ca. 560 mm innen), damit Kleiderbügel frei hängen.
  • Stangenhöhen: Für lange Kleidung 1600–1800 mm, für Doppelhängung 2× 950–1050 mm.
  • Fachhöhen: Pullover ca. 280–350 mm, T-Shirts ca. 200–260 mm.

Teil 2: Die Konstruktion – Türen, Korpus & Innenleben

Türsysteme im Vergleich: Dreh-, Schiebe- oder Falttür?

SystemProContraPraxis-Hinweise
DrehtürKompletter Zugriff, günstig, leiseBenötigt SchwenkraumIdeale Türbreite 400–600 mm, hochwertige Scharniere mit Dämpfung (z.B. Blum, Hettich) verwenden.
SchiebetürKein Schwenkraum, ideal bei EngeImmer eine Seite verdecktTyp. Türbreite 800–1200 mm, auf hohe Traglast der Beschläge achten.
FalttürGroße Öffnung bei kleiner AusladungMehr Beschläge, aufwendigere MontageStabile Führungsschienen und Dämpfer sind entscheidend.

Korpus, Materialien & Kanten (Was die Haltbarkeit bestimmt)

Ein stabiler Korpus besteht aus 18–19 mm dicken Platten (Melamin oder MDF) mit einer robusten 8–10 mm Rückwand. Entscheidend für die Langlebigkeit ist die Kantenverleimung: PUR-Kleber ist deutlich wasser- und hitzebeständiger als Standard-EVA-Leim und in feuchteren Räumen oder bei hoher Belastung Pflicht. Eine Nullfuge (Laser/AirTec) bietet die beste Optik und Dichtheit.

Eine hochwertige, mit PUR-Leim verklebte Nullfugen-Kante an einer Korpusplatte.

Innenorganisation: Module & Auszüge

Planen Sie das Innenleben basierend auf Ihrer Inventur. Smarte Lösungen wie ein Kleiderlift (Pantograph) für hohe Bereiche, Hosenauszüge oder spezielle Schuhregale nutzen den Platz optimal aus und sorgen für perfekte Übersicht.

Smarte Innenausstattung wie ein Kleiderlift oder ein Hosenauszug nutzen den Platz im Schrank optimal

Teil 3: Technik & Bauphysik – Licht & Luft

Beleuchtung & Elektrik

Eine integrierte, vertikale LED-Beleuchtung sorgt für perfekten Überblick im Einbauschrank.

Eine gute Schrankbeleuchtung ist funktional, nicht dekorativ. Vertikale LED-Lichtleisten an den Innenseiten leuchten den Inhalt am besten aus. Achten Sie auf eine hohe Farbwiedergabe (CRI ≥ 90) und eine warme Lichtfarbe (2700–3000 K). Die Steuerung erfolgt idealerweise über einen Türkontaktsensor. Das Netzteil sollte zugänglich verbaut werden (z.B. im Sockel).

Belüftung (verhindert Gerüche & Schimmel)

Ein Einbauschrank braucht Luftzirkulation. Planen Sie immer 10–20 mm Abstand zur Rückwand ein. Eine Schattenfuge von 5–10 mm zur Decke und ein zurückgesetzter Sockel fördern die Konvektion und verhindern, dass sich Gerüche oder Feuchtigkeit (an Außenwänden) stauen.

Teil 4: Checklisten & Fazit

Typische Fehler & Gegenmaßnahmen

  • Zu geringe Tiefe: → Mind. 600 mm Außenmaß einhalten.
  • Keine Toleranz zur Wand: → Immer Passleisten/Blenden einplanen.
  • Keine Hinterlüftung: → Mind. 10 mm Abstand zur Wand lassen.
  • Billiger EVA-Leim an Kanten: → Auf wasserfesten PUR-Leim bestehen.

Fazit

Ein Einbauschrank wird erst durch maßhaltiges Aufmaß, ausreichende Toleranzen, richtige Tiefe, robuste Beschläge, kontrollierte Belüftung und eine praktikable Innenaufteilung dauerhaft großartig. Wer diese technischen Grundlagen beachtet und bei den Materialien an den richtigen Stellen investiert (Beschläge, Kanten, Licht), erhält eine langlebige, leise und elegante Stauraumlösung – perfekt für den Alltag und zukunftssicher für wechselnde Bedürfnisse.

FAQ – Häufige Fragen zu Einbauschränken

Welche Tiefe ist für Kleiderbügel zwingend?
Außen 600 mm (innen ca. 560 mm), damit Bügel frei hängen und Türen sauber schließen.

Wie viel Toleranz sollte ich seitlich/oberhalb einplanen?
Seitlich 10–25 mm und oben 10–20 mm; später mit Blenden sauber schließen.

Welches Türsystem ist in engen Räumen sinnvoll?
Schiebetüren sparen Schwenkraum, verdecken aber stets eine Seite. Falttüren öffnen breiter bei geringer Ausladung.

Welche Kantenverklebung ist langlebig?
PUR-verklebte Nullfugen (Laser/AirTec) sind wasser- und hitzebeständig und optisch am saubersten.

Wie verhindere ich Gerüche und Feuchte im Schrank?
Mindestens 10–20 mm Abstand zur Rückwand, Schattenfugen oben sowie ein zurückgesetzter Sockel fördern die Luftzirkulation.

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