Treppensicherheit zu Hause: Der Guide für Geländerhöhe, Stababstand & Kinderschutz

Stürze auf der Treppe gehören zu den häufigsten Haushaltsunfällen. Die gute Nachricht: Viele Risiken lassen sich durch die Einhaltung klarer Maße und die Beachtung einiger wichtiger Details erheblich reduzieren. Dieser praxisnahe Leitfaden erklärt die entscheidenden Regeln zur Treppensicherheit – von der korrekten Geländerhöhe über den maximalen Stababstand bis hin zum kindersicheren Handlauf – in verständlicher Sprache.

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Eine moderne und sichere Treppe in einem Einfamilienhaus mit kindersicherem Geländer.

Die 5-Minuten-Sicherheits-Checkliste für Ihre Treppe

  • Öffnungen im Geländer: Ist der lichte Abstand zwischen den Stäben kleiner als 12 cm? (Schutz vor Durchrutschen von Kinderköpfen)
  • Geländerhöhe: Beträgt die Höhe des Geländers mindestens 90 cm? (Bei Absturzhöhen über 12 m sind 110 cm erforderlich)
  • Handlauf: Ist er durchgehend und in einer bequemen Höhe von ca. 85–110 cm montiert?
  • Handlauf-Enden: Führt der Handlauf idealerweise ca. 30 cm über die erste und letzte Stufe hinaus?
  • Offene Stufen: Ist der senkrechte Abstand zwischen den Trittstufen ebenfalls kleiner als 12 cm?

Detail 1: Die 12-cm-Regel – Der wichtigste Kinderschutz

Der Stababstand im Treppengeländer wird mit einem Zollstock gemessen und beträgt vorschriftsmäßig weniger als 12 cm.

Als „lichte Weite“ wird der freie Abstand zwischen zwei Bauteilen bezeichnet. Im Geländerbau gilt als eiserne Regel, dass dieser Abstand maximal 12 cm betragen darf. Dieses Maß basiert auf dem durchschnittlichen Kopfumfang von Kleinkindern und soll verhindern, dass ein Kind seinen Kopf durch das Geländer stecken und sich strangulieren kann. Diese Regel gilt für den Abstand zwischen senkrechten Stäben, aber auch für Öffnungen in Glas- oder Plattenfüllungen.

Achtung bei horizontalen Füllungen: Waagerecht verlaufende Stäbe oder Seile verleiten Kinder zum Klettern („Leitereffekt“). Obwohl sie in Einfamilienhäusern manchmal zulässig sind, gelten sie als weniger sicher. Senkrechte Stäbe oder geschlossene Füllungen sind die bessere Wahl für Haushalte mit Kindern.

Detail 2: Die Geländerhöhe – Schutz vor dem Überkippen

Die Höhe des Geländers soll verhindern, dass eine Person versehentlich über die Brüstung stürzt. Die Anforderungen variieren je nach Absturzhöhe:

  • Bei einer Absturzhöhe von 1 bis 12 Metern (Standardfall im Ein- und Zweifamilienhaus) muss die Geländerhöhe mindestens 90 cm betragen.
  • Bei einer Absturzhöhe von über 12 Metern (z.B. in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern) erhöht sich die Anforderung auf mindestens 110 cm.

Detail 3: Der Handlauf – Sicherer Halt von oben bis unten

Der Handlauf ist die wichtigste Führungshilfe. Er sollte durchgehend sein, also nicht von Pfosten unterbrochen werden, und einen guten Griff bieten. Ideal ist ein runder oder ovaler Querschnitt mit einem Durchmesser von ca. 3,5–4,5 cm. Die Montagehöhe liegt in der Praxis meist zwischen 85 und 110 cm. Achten Sie auf einen Wandabstand von mindestens 5 cm, damit die Finger frei greifen können.

Eine Person greift sicher einen ergonomisch geformten Handlauf an einer Treppenwand.

Einfache Nachrüst-Tipps für mehr Sicherheit

  • Zusätzlicher Handlauf: Montieren Sie an der freien Wand einen zweiten Handlauf. Für Kinder kann ein zusätzlicher, tiefer angebrachter Handlauf (ca. 60–80 cm Höhe) sehr hilfreich sein.
  • Geländerfüllungen schließen: Zu große Abstände können mit zusätzlichen Stäben, Acrylglasplatten oder speziellen Sicherheitsnetzen kindersicher gemacht werden.
  • Rutschhemmung: Bringen Sie transparente Antirutsch-Streifen oder dezente Stufenkantenprofile an, um die Rutschgefahr, besonders auf glatten Holz- oder Steinstufen, zu reduzieren.
  • Beleuchtung: Eine gute, blendfreie Beleuchtung ist essenziell. LED-Strips unter dem Handlauf oder in die Wand integrierte Stufenleuchten, die die Kanten der Trittstufen ausleuchten, erhöhen die Sicherheit bei Nacht erheblich.

Fazit

Treppensicherheit ist kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis weniger, aber entscheidender Planungsregeln. Wenn Sie auf drei Kernpunkte achten – Öffnungen kleiner als 12 cm, eine Geländerhöhe von mindestens 90 cm und einen durchgehend greifbaren Handlauf –, haben Sie die wichtigsten Risiken bereits minimiert. Eine gute Beleuchtung und rutschhemmende Oberflächen runden ein sicheres Treppenkonzept ab und schützen Ihre Familie im Alltag.

FAQ

Wie hoch muss ein Treppengeländer im Einfamilienhaus sein?
In der Regel beträgt die Mindesthöhe 90 cm. Erst ab einer Absturzhöhe von über 12 Metern (was in Einfamilienhäusern selten vorkommt) sind 110 cm vorgeschrieben.

Wie groß darf der Abstand zwischen den Geländerstäben sein?
Der lichte Abstand (die freie Öffnung) darf maximal 12 cm betragen. Dies soll verhindern, dass Kleinkinder ihren Kopf hindurchstecken können.

Sind horizontale Geländerstäbe für Kinder gefährlich?
Ja, sie können zum Klettern verleiten (sogenannter „Leitereffekt“) und gelten daher als weniger sicher. Senkrechte Stäbe oder geschlossene Füllungen (z.B. aus Glas) sind die sicherere Alternative für Familien.

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