Ein Knarren oder Knacken in einer Holztreppe ist ein häufiges Ärgernis, aber selten ein Zeichen für ein ernstes statisches Problem. Die Ursache ist fast immer Reibung – dort, wo Holzbauteile wie Trittstufen, Setzstufen oder Wangen nicht mehr absolut fest miteinander verbunden sind und bei Belastung aneinander reiben. Mit einer systematischen Diagnose und ein paar gezielten Maßnahmen lässt sich das Geräusch in den meisten Fällen deutlich reduzieren oder sogar ganz beseitigen.
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So finden Sie die Lärmquelle: Die 5-Minuten-Diagnose

Um das Knarren effektiv zu bekämpfen, müssen Sie zuerst die genaue Ursache lokalisieren. Gehen Sie dabei systematisch vor:
- Einzelstufen belasten: Betreten Sie jede Stufe langsam mit vollem Gewicht – einmal an der Vorderkante, einmal in der Mitte, einmal hinten. Versuchen Sie, das Geräusch einer konkreten Stufe und Position zuzuordnen.
- Seitlich drücken: Üben Sie seitlichen Druck auf die Treppenwangen (die seitlichen Träger) und die Geländerpfosten aus. Gibt es hier Spiel oder Geräusche?
- Fugen inspizieren: Suchen Sie mit einer Taschenlampe nach feinen Haarrissen in alten Leimfugen, besonders an der Verbindung zwischen Trittstufe (waagerecht) und Setzstufe (senkrecht).
- Zweite Person hilft: Bitten Sie eine zweite Person, die Treppe langsam auf- und abzugehen, während Sie von unten (falls zugänglich) die Bewegung der Bauteile beobachten und hören.
Die Hauptursache: Trockene Luft und arbeitendes Holz
Holz ist ein hygroskopischer Werkstoff, das heißt, es passt seinen Feuchtigkeitsgehalt an die umgebende Raumluft an. Im Winter, bei trockener Heizungsluft, gibt das Holz Feuchtigkeit ab und schrumpft. Dadurch können Fugen und Verbindungen, die im Sommer noch fest waren, minimales Spiel bekommen. Bei Belastung entsteht dann die typische Reibung, die wir als Knarren hören. Im Sommer, bei höherer Luftfeuchtigkeit, quillt das Holz wieder auf und das Knarren lässt oft nach.
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Wenn die Diagnose auf lockere Verbindungen hindeutet, können folgende Maßnahmen helfen:
- Nachziehen von Schrauben: Prüfen Sie alle sichtbaren Verschraubungen an Winkeln, Unterzügen oder Pfostenfüßen und ziehen Sie diese vorsichtig mit dem passenden Werkzeug nach.
- Gezielte Verkeilung: Oft ist die Fuge zwischen der Rückseite der Trittstufe und der Oberkante der Setzstufe die Lärmquelle. Schlagen Sie hier vorsichtig dünne Holzkeile (z.B. aus Hartholz) mit etwas Holzleim ein, bis die Verbindung wieder spielfrei ist. Überstehendes Material wird anschließend bündig abgeschnitten.
- Elastische Kleb- und Dichtstoffe: Bei sehr feinen Fugen, in die kein Keil passt, kann ein hochwertiger, elastischer Montagekleber (z.B. auf MS-Polymer-Basis) in die Fuge injiziert werden. Dieser füllt den Hohlraum und wirkt als dämpfender Puffer. Kleben Sie die Ränder sauber ab, um Verschmutzungen zu vermeiden.
- Verdeckte Verschraubung: Von der Unterseite der Treppe aus können zusätzliche Schrauben gesetzt werden, um Tritt- und Setzstufen wieder fest miteinander zu verbinden. Bohren Sie unbedingt vor, um ein Spalten des Holzes zu vermeiden.
Was ist mit Hausmitteln wie Talkum oder Graphitpulver?
Diese Pulver können kurzfristig als „Schmiermittel“ in den Fugen wirken und das Geräusch reduzieren. Die Wirkung ist aber meist nicht von Dauer, da die eigentliche Ursache – die lockere Verbindung – nicht behoben wird.
Wann sollte man einen Profi rufen?
Wenn das Knarren von sichtbaren Schäden begleitet wird (z.B. Risse in den tragenden Wangen, großflächig gelöste Setzstufen) oder wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie einen Treppenbauer oder Schreiner konsultieren. Ein Fachmann kann die Statik beurteilen und verdeckte Verstärkungen anbringen, die das Problem dauerhaft lösen, ohne die Optik der Treppe zu beeinträchtigen.
Fazit
Eine knarrende Holztreppe ist meist ein akustisches, kein statisches Problem. Die Hauptursache ist Reibung in Fugen, die durch das natürliche Arbeiten des Holzes bei wechselnder Luftfeuchtigkeit entsteht. Mit einer genauen Diagnose lässt sich die Lärmquelle oft präzise lokalisieren. Gezielte Maßnahmen wie das Nachziehen von Schrauben, das Einsetzen von kleinen Keilen oder das Injizieren von elastischem Klebstoff können das Knarren in den meisten Fällen erfolgreich und dauerhaft beseitigen.
Warum knarrt meine Holztreppe im Winter mehr als im Sommer?
Im Winter ist die Heizungsluft sehr trocken. Das Holz gibt Feuchtigkeit ab und schrumpft, wodurch Verbindungen minimales Spiel bekommen und bei Belastung aneinander reiben. Im Sommer bei höherer Luftfeuchtigkeit quillt das Holz und die Fugen schließen sich wieder.
Ist eine knarrende Treppe gefährlich?
In den allermeisten Fällen ist Knarren nur ein akustisches Ärgernis und kein Zeichen für mangelnde Stabilität. Wenn jedoch sichtbare Risse in tragenden Teilen (Wangen) auftreten oder sich Stufen großflächig lösen, sollte unbedingt ein Fachmann die Statik prüfen.
Hilft es, Schrauben von oben durch die Stufen zu bohren?
Davon ist abzuraten, da dies die Optik der Treppe dauerhaft zerstört. Lösungen sollten immer so unauffällig wie möglich sein, z.B. durch Verkeilen, Kleben oder verdecktes Verschrauben von der Unterseite.
