Alte Treppengeländer aus den 70er- oder 80er-Jahren wirken oft wuchtig, sind zu niedrig und entsprechen nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards, insbesondere für Kinder. Eine gezielte Modernisierung kann die Optik und Sicherheit Ihrer Treppe jedoch dramatisch verbessern. Dieser Praxis-Guide zeigt die drei wirkungsvollsten Maßnahmen: die Erneuerung der Geländerfüllung, das Anheben des Handlaufs auf eine sichere Höhe und die optische Überarbeitung der Pfosten.
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Teil 1: Wann ist eine Modernisierung sinnvoll? Die Checkliste
- Zu niedrige Höhe: Ein Handlauf unter 90 cm Höhe fühlt sich unsicher an und entspricht oft nicht mehr den Empfehlungen.
- Zu große Öffnungen: Beträgt der lichte Abstand zwischen den Füllstäben mehr als 12 cm, besteht eine erhebliche Gefahr für Kleinkinder.
- „Leitereffekt“: Horizontale Stäbe oder Seile laden Kinder zum Klettern ein und stellen ein hohes Sicherheitsrisiko dar.
- Veraltete Optik: Dunkles Holz, wuchtige Vierkantpfosten und sichtbare Verschraubungen lassen das Treppenhaus massiv und altmodisch wirken.
- Mangelnde Stabilität: Wackelnde Pfosten, gelockerte Verankerungen oder rostige Bauteile sind ein klares Zeichen, dass Handlungsbedarf besteht.
Teil 2: Die 3 Hebel für eine moderne Optik & mehr Sicherheit
1. Die Füllung erneuern: Von Holzstäben zu Glas oder Metall

Der Austausch der Füllung hat den größten visuellen Effekt. Die drei beliebtesten Optionen sind:
- Glasfüllungen (VSG/ESG): Sorgen für maximale Transparenz und eine leichte, moderne Optik. Satiniertes Glas bietet Sichtschutz bei voller Helligkeit.
- Plattenfüllungen (HPL/Lochblech): Schaffen einen ruhigen, geschlossenen Look und bieten ein hohes Maß an gefühlter Sicherheit.
- Schlanke Metallstäbe (vertikal): Eine zeitlose und oft kostengünstige Lösung. Achten Sie hierbei unbedingt auf den korrekten Abstand von maximal 12 cm.
2. Den Handlauf anheben: Von 80 cm auf sichere 90–100 cm

Viele alte Geländer sind nur 80–85 cm hoch. Heutige Standards und das Komfortempfinden tendieren klar zu mindestens 90 cm, oft sogar 95–100 cm. Zur Erhöhung gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Aufdopplung: Ein neuer, höherer Handlauf wird über dem alten montiert.
- Adapter & Aufsätze: Spezielle Aufsätze werden auf die alten Pfosten montiert, um den Handlauf höher zu befestigen.
- Zusätzlicher Wandhandlauf: Bringt zusätzliche Sicherheit, ohne das bestehende Geländer zu verändern.
3. Die Pfosten überarbeiten: Schlank und stabil
Oft sind es die massiven Pfosten, die ein Geländer alt aussehen lassen. Prüfen Sie, ob diese durch schlankere Profile (z.B. 40×40 mm statt 60×60 mm) ersetzt werden können. Eine stabile Verankerung im Untergrund (z.B. mit chemischen Dübeln in Beton) ist dabei entscheidend. Neue Abdeckkappen und Rosetten können zudem alte Bohrlöcher und Befestigungsschrauben elegant verdecken.
Teil 3: Rechtliche Aspekte & Kosten
Eine Geländermodernisierung ist mehr als nur eine kosmetische Maßnahme. Da sie die Absturzsicherung betrifft, können je nach Bundesland und Gebäudetyp baurechtliche Vorschriften zu beachten sein. Insbesondere in Mehrfamilienhäusern oder bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine vorherige Klärung mit der Verwaltung oder dem Bauamt unerlässlich. Bewahren Sie Zulassungen und Zertifikate von Systembauteilen (z.B. Glashaltern) für Ihre Unterlagen auf.
| Maßnahme | Kostenrahmen (Material + Montage) |
|---|---|
| Füllung erneuern (neue Stahlstäbe) | 120 – 250 €/lfm |
| Füllung erneuern (Glas mit Klemmhaltern) | 280 – 550 €/lfm |
| Handlauf anheben | 60 – 150 €/lfm |
Fazit
Die Modernisierung eines alten Treppengeländers ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, um die Sicherheit und die Ästhetik eines Treppenhauses zu verbessern. Konzentrieren Sie sich auf die drei Hauptpunkte: Ersetzen Sie die alte Füllung durch eine moderne, kindersichere Variante (z.B. Glas oder vertikale Stäbe mit max. 12 cm Abstand), heben Sie den Handlauf auf eine komfortable Höhe von mindestens 90 cm an und überarbeiten Sie die wuchtigen Pfosten. So wird aus einem veralteten Relikt ein sicheres und zeitgemäßes Gestaltungselement.
Wie hoch muss ein Geländer heute sein?
In Wohngebäuden beträgt die empfohlene Mindesthöhe in der Regel 90 cm. Bei Absturzhöhen von über 12 Metern sind 110 cm vorgeschrieben.
Wie kann ich mein altes Geländer kindersicher machen?
Die wichtigste Maßnahme ist die Verkleinerung aller Öffnungen auf einen lichten Abstand von maximal 12 cm. Entfernen Sie horizontale Füllungen, die zum Klettern einladen, und ersetzen Sie diese durch vertikale Stäbe oder geschlossene Platten.
Ist der Austausch der Geländerfüllung genehmigungspflichtig?
In einem Einfamilienhaus in der Regel nicht. In Mehrfamilienhäusern (besonders bei Eingriffen in das gemeinschaftliche Treppenhaus) oder bei denkmalgeschützten Gebäuden kann jedoch eine Genehmigung oder die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft erforderlich sein.
