Fenster für das Passivhaus: Welche Kennwerte sind absolut entscheidend?

Fenster sind in einem Passivhaus keine gewöhnlichen Bauteile. Sie sind High-Tech-Komponenten, die aktiv zur Energiebilanz des Gebäudes beitragen. Ein echtes Passivhausfenster muss so effizient sein, dass es über die Heizperiode mehr solare Energie gewinnt, als es an Wärme verliert.

Dieser Leitfaden erklärt Ihnen alle wichtigen Anforderungen, technischen Werte und Komponenten, die ein Fenster zu einem zertifizierten Passivhausfenster machen.

Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren weiterführenden Experten-Guides: U-/g-Wert richtig verstehen · „Warme Kante“: Abstandhalter · Montage ohne Wärmebrücken

Modernes Passivhaus mit großen, energieeffizienten Passivhausfenstern für maximale solare Gewinne.

Zentrale Kriterien für Passivhausfenster

Um als passivhaustauglich zu gelten, muss ein Fenster extrem strenge Kriterien erfüllen, die vom renommierten Passivhausinstitut (PHI) in Darmstadt definiert werden. Die beiden wichtigsten Kennzahlen sind der U-Wert und der g-Wert.

Der Wärmedurchgangskoeffizient (Uw-Wert)

Der Uw-Wert gibt an, wie viel Wärme durch einen Quadratmeter des gesamten Fensters (Glas und Rahmen) verloren geht. Für Passivhausfenster gilt ein extrem strenger Grenzwert:

Der Uw-Wert muss kleiner oder gleich 0,8 W/(m²K) sein.

FenstertypTypischer Uw-WertStatus
Standardfenster (GEG)≤ 1,3 W/(m²K)Gesetzlicher Mindeststandard
Energiesparfenster (2-fach)1,0 – 1,2 W/(m²K)Verbesserter Standard
Passivhausfenster≤ 0,8 W/(m²K)PHI-tauglich

Der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert)

Der g-Wert beschreibt, wie viel kostenlose Sonnenenergie durch das Glas ins Rauminnere gelangt. Für ein Passivhausfenster ist ein hoher g-Wert entscheidend, da diese solaren Gewinne im Winter die Heizung aktiv entlasten.

Für Passivhausfenster wird ein g-Wert von 50 % oder höher empfohlen.

Hier besteht ein technischer Zielkonflikt: Das Fenster muss gleichzeitig maximalen Wärmeschutz bieten (niedriger U-Wert) und möglichst viel Sonnenenergie hereinlassen (hoher g-Wert). Nur High-End-Produkte erfüllen beide Anforderungen.

Technischer Aufbau eines Passivhausfensters

  • Dreifach-Wärmeschutzverglasung: Sie ist obligatorisch. Die Scheibenzwischenräume sind mit Edelgasen (Argon oder Krypton) gefüllt, die die Wärmeübertragung stark reduzieren. Spezielle Low-E-Beschichtungen reflektieren die Wärme zurück in den Raum.
  • Hochdämmender Rahmen: Der Fensterrahmen muss ebenfalls exzellente Dämmeigenschaften aufweisen. Meist kommen speziell gedämmte Mehrkammerprofile aus Kunststoff, Holzrahmen mit integriertem Dämmkern oder hochdämmende Holz-Aluminium-Konstruktionen zum Einsatz.
  • „Warme Kante“: Der Randverbund zwischen den Glasscheiben muss thermisch optimiert sein, um Wärmebrücken zu verhindern. Abstandhalter aus Kunststoff, Edelstahl oder Silikonschaum sind hier Standard. Herkömmliches Aluminium ist ungeeignet.
  • Luftdichte Montage (RAL-Montage): Das beste Fenster nützt nichts, wenn es nicht fachgerecht und luftdicht montiert wird. Ein mehrschichtiges Abdichtungssystem (innen dampfdiffusionsdicht, außen schlagregendicht und diffusionsoffen) ist für Passivhäuser essenziell.

Zertifizierung durch das Passivhaus Institut (PHI)

Das Passivhaus Institut in Darmstadt ist die führende globale Instanz in der Passivhausforschung. Es prüft und zertifiziert Komponenten, die die strengen Kriterien für Passivhäuser nachweislich erfüllen.

Label: Das Siegel „Passivhaus Komponente“ garantiert geprüfte Qualität.

Das offizielle Zertifikat "Passivhaus Komponente" des Passivhausinstituts als Garant für geprüfte Qualität.

Vorteil: Eine Zertifizierung durch das PHI bietet Bauherren eine verlässliche Garantie, dass die Bauteile die extrem hohen Anforderungen in der Praxis auch wirklich erfüllen.

Praktische Aspekte für Bauherren

AspektEmpfehlung für Passivhausfenster
AusrichtungGroße Fensterflächen nach Süden ausrichten, um den g-Wert für solare Gewinne optimal zu nutzen.
KostenCa. 15–30 % teurer als Standardfenster. Die Investition amortisiert sich über die drastisch reduzierten Heizkosten.
WohnkomfortKeine kalten Zonen in Fensternähe, keine Zugluft und spürbar höhere Oberflächentemperaturen im Winter.

Fazit: Ein präzise abgestimmtes Gesamtsystem

Ein Passivhausfenster ist ein Gesamtsystem aus Dreifachverglasung, hochdämmendem Rahmen, „Warmer Kante“ und luftdichter RAL-Montage. Nur wenn alle Komponenten perfekt zusammenspielen und einen Uw-Wert von unter 0,8 W/(m²K) erreichen, wird es zu einem entscheidenden Baustein für minimalen Energieverbrauch und maximalen Wohnkomfort.

Merksatz: Nur zertifizierte Passivhausfenster nach PHI-Standard garantieren langfristig die geforderte Energieeffizienz und Funktionalität.

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