Die Entdeckung von Schimmel in der Wohnung ist stressig und wirft sofort Gesundheitsbedenken auf. Das Wichtigste ist, nicht in Panik zu geraten, sondern überlegt und vor allem sicher zu handeln. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie das Ausmaß des Problems richtig einschätzen, kleine Befallsstellen sicher selbst entfernen und – am allerwichtigsten – wann Sie unbedingt einen Fachbetrieb hinzuziehen müssen.
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Teil 1: Gefahr erkennen und richtig einschätzen
Gesundheitsrisiken durch Schimmel
Schimmelpilze setzen Sporen und Stoffwechselprodukte frei, die sowohl allergische Reaktionen als auch toxische Wirkungen haben können. Ignorieren Sie das Problem daher niemals. Mögliche Symptome sind:
- Atemwege: Reizhusten, Atemnot, Asthmaanfälle.
- Allergien: Hautausschläge, tränende Augen, allergischer Schnupfen.
- Chronische Belastung: Müdigkeit, Kopfschmerzen, geschwächtes Immunsystem.
WICHTIG: Wann Sie SOFORT den Profi rufen müssen

Bei der Schimmelbekämpfung steht Ihre Gesundheit an erster Stelle. Versuchen Sie sich NICHT selbst an der Beseitigung, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft. Kontaktieren Sie in diesen Fällen umgehend einen Fachbetrieb für Schimmelsanierung:
- Die befallene Fläche ist größer als 0,5 m² (etwa die Größe eines großen Tellers).
- Der Schimmel ist tief in poröse Materialien wie Gipskarton, Tapeten oder Dämmung eingedrungen.
- Es liegt ein starker, modriger Geruch in der Luft, auch wenn der Schimmel nicht direkt sichtbar ist.
- Das Problem tritt nach einer eigenen Behandlung immer wieder auf.
- Im Haushalt leben Allergiker, Asthmatiker, Kinder, Schwangere oder immungeschwächte Personen.
Teil 2: Die Lösung – Kleine Flächen sicher selbst entfernen
Schritt 1: Ursache finden (Der wichtigste Schritt!)
Schimmel ist immer ein Symptom für ein Feuchtigkeitsproblem. Ohne die Ursache zu beheben, kommt er garantiert zurück. Typische Ursachen sind:
- Kondenswasser durch Wärmebrücken (z. B. alte Fenster, schlecht gedämmte Wandecken).
- Zu hohe Luftfeuchtigkeit durch unzureichendes Lüften.
- Bauliche Mängel wie undichte Leitungen, Risse im Mauerwerk oder defekte Silikonfugen.
Schritt 2: Schutzausrüstung anlegen
Schützen Sie sich unbedingt vor dem Kontakt mit Sporen. Die Minimalausrüstung ist:
- Einweghandschuhe
- Schutzbrille
- Atemschutzmaske (mind. FFP2, besser FFP3)
- Langärmlige Kleidung (direkt danach waschen).

Schritt 3: Das richtige Mittel wählen
- Top-Empfehlung: Isopropanol (70–80%) oder Bio-Ethanol. Wirkt zuverlässig gegen Schimmel und Sporen, ist materialschonend und verfliegt rückstandslos.
- Alternative: Wasserstoffperoxid (3–5%). Wirkt ebenfalls desinfizierend und hat einen bleichenden Effekt, ideal bei sichtbaren Stockflecken.
- Achtung bei Essig: Verwenden Sie keine Essig-Lösung auf mineralischen Untergründen wie Putz. Essig neutralisiert den alkalischen Kalk und kann das Schimmelwachstum sogar fördern.
Schritt 4: Die richtige Durchführung
- Befallene Stelle mit dem Mittel einsprühen oder auftupfen. Niemals trocken bürsten, um keine Sporen aufzuwirbeln!
- Mindestens 30–60 Minuten einwirken lassen.
- Mit einem feuchten Einmaltuch abwischen und die Reste direkt entsorgen.
- Fläche mit einem sauberen, feuchten Tuch nachwischen und anschließend gründlich trocknen lassen (ggf. mit einem Föhn).
- Alle benutzten Abfälle (Tücher, Handschuhe, Maske) in einem Müllbeutel luftdicht verpacken und sofort entsorgen.

Teil 3: Prävention – Langfristige Strategien gegen Schimmel
Nach der Beseitigung ist vor der Prävention. Langfristig schützen Sie Ihr Zuhause durch die Kontrolle der Feuchtigkeit.
- Richtig lüften & heizen: Mehrmals täglich 5 Minuten Stoßlüften statt Dauerkipp. Räume nicht auskühlen lassen (Grundtemperatur halten). Mit einem Hygrometer die Luftfeuchtigkeit kontrollieren (Idealwert: 40–55%).
- Fenster modernisieren: Alte, schlecht isolierte Fenster sind die häufigsten Wärmebrücken. Der Austausch gegen moderne Rahmen mit 3-fach-Verglasung reduziert das Kondenswasser-Risiko drastisch.
- Dämmung & Sanierung: Eine Fassaden- oder Innendämmung hält die Wände warm und verhindert Feuchtigkeitsbildung.
- Lüftungstechnik: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ist die technische Königslösung für einen permanenten, idealen Luftaustausch.

Teil 4: Wichtiges Wissen – Mythen & Rechtliches
Mythen & Fakten im Check
- „Ein bisschen Schimmel ist harmlos“ – FALSCH. Schon kleine Mengen können die Gesundheit belasten.
- „Trockene Luft verhindert Schimmel“ – TEILWEISE. Zu trockene Luft schadet den Schleimhäuten ebenfalls. Der Idealwert liegt zwischen 40 und 55 % relativer Luftfeuchtigkeit.
Rechtliche Aspekte in der Mietwohnung
In Mietwohnungen ist Schimmel ein häufiger Streitpunkt. Grundsätzlich gilt:
- Pflicht des Mieters: Richtiges Lüften und Heizen, um die Feuchtigkeit zu regulieren.
- Pflicht des Vermieters: Beseitigung von Baumängeln, die Schimmel verursachen (z.B. undichte Fenster, mangelhafte Dämmung).
- Empfehlung: Entdeckten Schimmel immer sofort schriftlich und mit Fotos dokumentieren und dem Vermieter melden.
Fazit
Schimmelbefall erfordert schnelles, aber vor allem sicheres und fachgerechtes Handeln. Kleine, oberflächliche Stellen können Sie mit Alkohol oder Wasserstoffperoxid selbst behandeln – vorausgesetzt, Sie tragen die notwendige Schutzausrüstung. Alles, was darüber hinausgeht, gehört in die Hände von Experten. Langfristig ist die Kontrolle der Feuchtigkeit der entscheidende Hebel: durch richtiges Lüften, Heizen und vor allem durch die Sanierung von Wärmebrücken wie alten Fenstern. So schützen Sie nicht nur Ihre Bausubstanz, sondern vor allem Ihre Gesundheit.
