Die Planung einer Treppe in einem kleinen Treppenhaus ist eine der größten Herausforderungen im modernen Hausbau. Oft ist das Ergebnis ein Kompromiss: Die Treppe wird zu steil, zu schmal und fühlt sich im Alltag unbequem an. Doch das muss nicht sein. Dieser Praxis-Guide zeigt am Beispiel eines typischen 270 x 270 cm großen Schachts, warum eine gut geplante, gewendelte Treppe mit 100 cm Laufbreite oft die komfortablere und großzügigere Lösung ist als eine klassische Podesttreppe.
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Das Fallbeispiel: Ein typisch kleines Treppenhaus (270 x 270 cm)
In vielen modernen Grundrissen ist der Platz für die Treppe begrenzt. Ein typisches Maß ist ein Schacht von 270 x 270 cm. Um eine Standard-Geschosshöhe von ca. 2,77 m zu überwinden, sind 16 Steigungen mit einer Höhe von jeweils ca. 17,3 cm ideal. Die entscheidende Frage lautet nun: Wie nutzt man die Ecken am besten? Die Antwort auf diese Frage entscheidet über den täglichen Komfort.
Der Komfort-Faktor: Warum 16 statt 14 Stufen den Unterschied machen
Den Gehkomfort einer Treppe beschreibt die Schrittmaßregel (2 x Steigungshöhe + 1 x Auftrittstiefe ≈ 63 cm). Um diese Formel zu erfüllen, bedeutet eine geringere Steigungshöhe automatisch eine größere und damit bequemere Auftrittsfläche. In einem kleinen Treppenhaus ist es daher oft clever, mehr Stufen einzuplanen:
| Anzahl Steigungen | Steigungshöhe (s) | Auftrittstiefe (a) | Gehgefühl |
|---|---|---|---|
| 14 | ca. 19,8 cm | ca. 23,4 cm | Steil, kurze Schritte, unangenehm |
| 16 | ca. 17,3 cm | ca. 28,4 cm | Angenehm und sicher (Idealbereich) |
| 18 | ca. 15,4 cm | ca. 32,2 cm | Sehr flach, benötigt aber mehr Lauflänge |
Die Tabelle zeigt deutlich: Der Sprung von 14 auf 16 Steigungen vergrößert die Auftrittsfläche um fast 5 cm. Genau deshalb fühlen sich „zwei Stufen mehr“ in einer kleinen Treppe oft wie eine völlig neue Lösung an: Der Rhythmus wird ruhiger, das Stolperrisiko sinkt.
Gewendelte Treppe vs. Podesttreppe im kleinen Treppenhaus

Die gewendelte Treppe: Mehr Platz zum Gehen
Eine viertelgewendelte Treppe nutzt die Ecken durch schräg verlaufende „Wendelstufen“. Der größte Vorteil in einem kleinen Treppenhaus: Die volle Laufbreite von 100 cm bleibt über den gesamten Verlauf erhalten. Das fühlt sich im Alltag – beim Tragen von Gegenständen, beim Begegnen oder wenn man Kinder an der Hand führt – deutlich großzügiger an.
- Vorteile: Volle 100 cm Laufbreite, flüssiger Bewegungsablauf, offene und leichtere Raumwirkung.
- Nachteile: Erfordert eine saubere Planung der Lauflinie, damit die Stufen im Wendelbereich nicht zu schmal werden.
Die Podesttreppe: Ruhezonen mit einem Kompromiss
Eine Podesttreppe bietet mit ihren ebenen Zwischenpodesten klare Ruhe- und Orientierungsflächen. In einem kleinen Treppenhaus hat diese Lösung jedoch einen entscheidenden Nachteil: Das Podest „frisst“ Tiefe, sodass die effektive Laufbreite der angrenzenden Treppenläufe oft auf nur noch 90 cm schrumpft, um die Geometrie unterzubringen.
- Vorteile: Klare Ruheflächen, einfache Planung mit durchgehend gleicher Stufentiefe.
- Nachteile: Reduzierte Laufbreite (ca. 90 cm), wirkt wuchtiger und „eckiger“ im Bewegungsablauf.
Checkliste für eine komfortable Wendeltreppe

- Laufbreite: Planen Sie mit 100 cm, um ein großzügiges Gehgefühl zu erhalten.
- Lauflinie: Die ideale Lauflinie liegt ca. 45 cm vom inneren Rand entfernt. Dort sollte die Auftrittstiefe auch im Wendelbereich noch komfortable 26–29 cm betragen.
- Stufen im Wendelbereich: Die inneren Kanten der Stufen dürfen nicht zu spitz zulaufen. Ein Mindestmaß von 8–10 cm an der schmalsten Stelle ist aus Sicherheitsgründen erforderlich.
- Durchgangshöhe: Achten Sie auf eine Kopffreiheit von mindestens 200 cm entlang der gesamten Lauflinie.
Fazit: Komfortgewinn durch smarte Geometrie
Wenn Sie ein kleines Treppenhaus von ca. 270 x 270 cm planen, ist eine gut proportionierte, gewendelte Treppe mit 16 Steigungen und einer durchgehenden Laufbreite von 100 cm oft die überlegene Lösung. Sie bietet einen spürbar höheren Alltagskomfort als eine Podesttreppe, die in der Praxis oft auf 90 cm Breite beschränkt ist. Die Investition in eine saubere Planung der Wendelstufen zahlt sich durch ein entspanntes und sicheres Gehgefühl über Jahre aus.
Warum ist eine Laufbreite von 100 cm so viel besser als 90 cm?
Diese 10 cm Unterschied sind im Alltag deutlich spürbar. Sie erleichtern das Begegnen von zwei Personen, das Tragen von Wäschekörben oder Möbeln und geben einfach ein großzügigeres, weniger beengtes Gefühl.
Ist eine Wendeltreppe nicht unsicherer als eine Podesttreppe?
Nicht, wenn sie richtig geplant ist. Eine professionell verzogene Wendeltreppe mit ausreichender Stufentiefe entlang der Lauflinie ist genauso sicher und rhythmisch zu begehen wie eine gerade Treppe.
Was ist die Schrittmaßregel?
Es ist eine ergonomische Formel (2x Steigung + 1x Auftritt ≈ 63 cm), die sicherstellt, dass das Verhältnis von Stufenhöhe zu Stufentiefe einem natürlichen Schrittmaß entspricht. Treppen, die diese Regel erfüllen, fühlen sich beim Gehen komfortabel und sicher an.
